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Lage und Rolle der Stadt in der geschichtlichen Entwicklung
der Region
Die Grenzlage eröffnete der Stadt in friedlichen
Zeiten besondere Chancen für die Entwicklung von Handel und
Gewerbe. Radkersburg lag am Schnittpunkt bedeutender Straßen.
Aus dem Grazer Raum führte ein Handelsweg über die Zollstation
Sicheldorf-Steinabrück/Köhida/Gederovci nach Ungarn.
Aus der Luttenberger Gegend lief eine Straße über die
Radkersburger Murbrücke ebenfalls ins Ungarische. Aus Pettau/Ptuj
kommend, dem Anschluß an die Laibacher Straße, zog
ein Handelsweg ins Wiener Becken bzw. nach Ungarn. So entstand
ein überregionales Handelszentrum, das sein wirtschaftliches
Hinterland- übrigens bis zum heutigen Tage - im Osten und
Südosten hatte.
Die Säulen des Handels waren aus der Obersteiermark kommendes
Eisen, Salz und Holz, das ins Unterland transportiert wurde, während
ungarisches Schlachtvieh, Honig, Wachs und Wein in die Gegenrichtung
gingen.
Die Mur war seit dem Hochmittelalter ein wichtiger Verkehrsweg.
Auf Schiffen und Plätten wurden Eisen und Salz die Mur abwärts
befördert, Flöße brachten vor allem Bauholz ins
Unterland. Das Niederlagsrecht bewirkte, dass Kaufleute zu Land
und zu Wasser die Waren drei Tage in der Stadt niederzulegen hatten.
Das Niederlagsrecht war daher das weitaus wichtigste Vorrecht
der Radkersburger Bürger, denn auch die Weiterbeförderung
lag in der Kompetenz der Radkersburger Bürger. Zudem gewährte
Herzog Friedrich I. aufgrund der besonderen geografischen Lage
den Radkersburgern für ihre Handelswaren zu Lande und zu
Wasser Zoll- und Mautfreiheit. Die Stadt hob seit 1450 von allen
auf der Mur ankommenden Fahrzeugen eine Maut ein. Außerdem
mussten alle mit Waren beladenen Plätten und Flöße
ein "Anländegeld" zahlen. Als nach dem Sieg am
Kahlenberg 1683 der für militärische Operationen notwendige
Nachschub nach Kroatien organisiert werden musste, spielte Radkersburg
als Nachschubbasis eine wichtige Rolle, da Proviant, Futter, Munition
u.a. auf dem Wasser transportiert wurden.
Ein weiteres wichtiges Vorrecht, das die Bürgerschaft genoss,
war das 1428 erteilte Recht des Weinvorkaufes. Durch dieses Privileg
wurden die Radkersburger im wichtigsten Weinbaugebiet der Steiermark
preisbestimmend und besaßen ein Monopol im Weinhandel. Der
Kolomanimarkt (=Herbstjahrmarkt) wurde zum wichtigsten Weinmarkt
der Steiermark und strahlte weit über die Landesgrenzen hinaus.
Er wurde von Salzburger und oberdeutschen Kaufleuten besucht.
Radkersburg stand 1498 im Steueranschlag hinter Graz an zweiter
Stelle.
Der Handel entlang der Mur und die politisch-militärischen
Interessen der Herrschenden an den südöstlichen Gebieten
waren über Jahrhunderte ausschlaggebend für die Bedeutung
der Stadt Radkersburg gewesen. Im 18.Jhd. endeten die Auseinandersetzungen
mit dem Osmanischen Reich und damit auch die Wichtigkeit Radkersburgs
als Festungsstadt. Zur selben Zeit verminderte das auch die Bedeutung
der Mur als Handelsweg. Ein wachsendes Interesse an der Nord-Süd-Handelsverbindung
zur Adria, besser ausgebaute Straßen und die Eisenbahn,
die es erlaubte, mit einer noch nie dagewesenen Kapazität
Transporte vorzunehmen, machten die Murschifffahrt wirtschaftlich
unrentabel. Auch die Industrialisierung war an der Region - vermutlich
aufgrund der ungünstigen geographischen Lage und der fehlenden
Infrastruktur - spurlos vorüber gegangen. Seit 1842 existierte
in Radkersburg wieder eine Garnison. So entwickelte sich die damals
blühende Handelsstadt im 19.Jh. zu einer typischen Provinzgarnisonsstadt
der Monarchie.
In den 80er Jahren des 19.Jh. begann sich ein nationaler Konflikt
zu entfalten, der vor allem die Sprachenfrage in Schule, Amt,
Gericht und politischer Repräsentation betraf. Die Sprache
der Radkersburger Bürger war in der Regel das Deutsche. Dienstboten
hingegen und die bäuerliche Bevölkerung der Umgebungsgemeinden
sprachen mehrheitlich slowenisch. Der Nationalitätenkonflikt
eskalierte politisch-militärisch im Ersten Weltkrieg. Nach
Zusammenbruch der Monarchie wurde Radkersburg von SHS-Truppen
(Serben, Kroaten, Slowenen) besetzt. Mit dem Aufstand der "Freischar"
im Februar 1919 und der Grenzziehung von 1920 wurde der Nationalitätenkonflikt
virulent wie nie zuvor. Der Friedensvertrag von St. Germain machte
Radkersburg zur Grenzstadt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Nationalitätenproblematik
durch den Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben. Resultat
der Politik des Großdeutschen Reiches war nicht nur die
Zerstörung der Stadt - nur vier Häuser von 321 bleiben
unbeschädigt -, sondern für die Zeit danach ein Klima
des Misstrauens, das die Grenzbevölkerung diesseits und jenseits
der Grenze prägte.
Die Wiedereröffnung der Murbrücke am 12. Oktober 1969
als Gemeinschaftsprojekt Österreichs und Jugoslawiens markiert
einen Neubeginn. Die Brücke ist Symbol für die Bestrebungen,
die alten Konflikte zu begraben und gutnachbarschaftliche Beziehungen
aufzubauen. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Erlangung der
Souveränität Sloweniens (1991) ist ein Beitritt der
Nachbarstaaten Ungarn und Slowenien zur EU wahrscheinlich geworden.
Für Bad Radkersburg könnte sich aufgrund seiner geografischen
Lage die Chance ergeben, ein Europa der Regionen aktiv mitzugestalten.
Bestimmend für die weitere Entwicklung der Stadt Bad Radkersburg
und der Region war die Forcierung des Tourismus, Basis dafür
war eine eingehende Analyse der Mineralwasserquellen im Stadtpark.
Ihr folgte die Errichtung des Kurzentrums. Nach gezielter Suche
wurde 1978 die Thermalquelle erschlossen. Darauf erfolgte der
Ausbau des Thermalbades im Baukastensystem. Radkersburg zeigt
als touristischer Gesundheits- und Erholungsort in den späten
1990er Jahren jährlich 500.000 Besucher an. |
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