Historische Entwicklung und Wandel

Der Ortsname Civita, woraus Civitella entsprang, weist auf den Ursprung der Ansiedlung hin. Die frühe Anwesenheit von Menschen wurde schon im 19.Jhd. durch archäologische Funde aus dem Mittelalter, die auch über die Gräber der Longobardenkämpfer Aufschluss gaben, bestätigt.
Die erste Spendeurkunde zu Beginn des 11.Jhd. weist auf Civitella (Tibitella) hin, während die aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts stammende Urkunde die zu Gunsten des Bischofs Ascoli erteilten Gaben auszeichnet.
Den Anschluss von Abruzzo an das sizilianische Normannenreich wurde 1153 durch den Sieg von Teramo bekräftigt. In den Quellen des 12.Jhd. wurde schon auf die Festung hingewiesen, und es existieren Angaben, dass zu jener Zeit die Einwohnerschaft von Civitella aus 72 Familien (fuochi) bestand.
Nach den Kämpfen von 1255 musste Civitella sich der Stadt Ascoli unterwerfen. Laut Hinweisen müssen die Verwüstung des Schlosses bzw. die Bitte des Papstes für dessen Erhaltung ebenfalls aus diesem Zeitraum stammen.
Im 14.Jhd., zur Zeit der Herrschaft von Roberto d’Angio, wurden viele Bauarbeiten vorgenommen, wie z.B. der Bau der Klöster S. Francesco und S. Chiara. Alfonso I. veranlasste 1445 den Bau einer neuen Festung, und - die Bedeutung von Civitella erkennend - erteilten auch seine Nachfolger Privilegen an die Stadt.
Zu Beginn des 16.Jhd. wurde das Königreich von Neapel dem spanischen Königreich angeschlossen und 200 Jahre lang von Vizekönigen beherrscht. 1557 konnte Civitella einem Angriff Frankreichs widerstehen.
Der spanische Herrscher Filippo II. erkannte die strategische Rolle von Civitella und nahm bedeutende Modernisierungsarbeiten an der alten Festung Aragonese vor (1574).
Zu Ende des 16.Jhd. lebten 892 Familien (fuchi) in Civitella, 70 Jahre später schon 733, 1736 aber insgesamt 588 Familien.
1798 und 1806 litt die Stadt unter den Angriffen der Heere Napoleons, die zur endgültigen Verwüstung der Festung führten.
Der letzte Abschnitt der Geschichte der Festung wurde 1861 geschrieben, als die aus Piemonte kommenden Heere die Bewohner der Festung zur Kapitulation zwangen. Civitella wurde als letzte Festung der Bourbonen-Herrschaft aufgegeben. Die Konstruktion wurde abgerissen, ihre militärische Funktion aufgegeben. Mit der Entstehung des neuen italienischen Staates verlor Civitella ihren seit mindestens sechs Jahrhunderte bestehenden Charakter als Grenzstadt.